Böses Erwachen im Paradies

 So kassiert Neuseeland Ihre deutsche Rente
Wer vom Auswandern nach Neuseeland träumt, denkt an blaue Berge, grüne Täler, tiefe Fjorde, glitzernde Gletscher mitten im Regenwald, endlose Sandstrände, Millionen Schafe auf weiten Weiden, Einsamkeit und Abenteuer. An alles bloß nicht an die Rente.
 
Für junge Leute, die am Anfang ihres Berufslebens stehen, hat das keine schwerwiegenden Folgen - sieht man einmal davon ab, dass die Rente in Neuseeland - die sogenannte NZ Super - weniger eine Rente als eine einheitliche Sozialhilfe für Alte ist. Wer hier am Ende seines Arbeitslebens nicht im eigenen Haus lebt, der kommt kaum über die Runden. 
 
Oder können Sie sich vorstellen, von umgerechnet rund 570 Euro im Monat (Stand: März 2010) zu leben? Von diesem Betrag müssen Sie nämlich die Kosten für Müllabfuhr, Wasser, etc. - die so genannten "Rates" - abziehen, die an die Stadtverwaltung zu bezahlen sind. Dann Ihre direkten Nebenkosten für Heizung und Strom, nicht zu vergessen Auto und Versicherungen. Da bleibt zum Leben nicht viel übrig. Am besten, Sie fangen noch heute an, fürs Alter zu sparen.
 
Wer vor der Auswanderung - wie auch sein Arbeitgeber - fünfzehn, zwanzig oder noch mehr Jahre nicht zu knappe Sozialversicherungsbeiträge gezahlt hat, erkundigt sich vor dem lebensverändernden Schritt sicherlich bei der Deutschen Rentenversicherung (früher: BfA), mit welcher Rente er später einmal rechnen kann und ob sie in voller Höhe ausgezahlt wird.
 
Beruhigende Auskunft von der Deutschen Rentenversicherung
 
Sie erhalten die Auskunft, dass Sie in Neuseeland nichts zu befürchten haben: Sie werden später einmal mindestens die bis zum Zeitpunkt der Einstellung der
Beitragszahlungen errechnete monatliche Rente erhalten. Eine Teilrente. (Denn wenn Sie auswandern, zahlen Sie ja keine 40 Jahre Beiträge in Deutschland und erhalten deshalb keine volle Rente.) Darüber hinaus erhalten Sie die Auskunft, dass jeder, der mindestens zehn Jahre (davon fünf nach dem 50. Geburtstag) in Neuseeland gelebt hat, Anspruch auf die aus Steuern finanzierte NZ Super hat, unabhängig von Nationalität, Familienstand, Arbeitsjahren oder Vermögen. Sie denken, mit der kärglichen NZ Super und der deutschen Teilrente als private Vorsorge werden Sie über die Runden kommen, und wagen den Schritt.
 
Sie arbeiten zwanzig oder fünfundzwanzig Jahre in Neuseeland. Dann, mit fünfundsechzig, stellen Sie Ihren Rentenantrag. Der Beamte bei WINZ (Work and Income New Zealand) fragt Sie, ob Sie eine ausländische Rente bekommen. Ehrlich, wie Sie sind, sagen Sie Ja - und verlieren mit einem Schlag Ihre deutsche Rente. Eine linke Tour nach Kiwi-Recht - denn nun beginnt ein Verrechnungsprozess, bei dem ihre "Overseas Pension" von der NZ Super abgezogen wird.
 
Die deutsche Rente wird von der neuseeländischen abgezogen
 
Sprich: Im besten Fall haben Sie ein paar Euro mehr als NZ Super, dann nämlich, wenn Ihre deutsche Rente höher ist als NZ Super. Im schlechtesten Fall bekommen Sie NZ Super, bezahlt von der Deutschen Rentenversicherung - und damit von Ihnen, Ihrem früheren Arbeitgeber und Zuschüssen des deutschen Staates. Insgesamt sind derzeit 52.000 Rentenempfänger in Neuseeland von dieser Willkür betroffen.
 
Ein Trick im Gesetz zur sozialen Sicherung (Social Security Act) von 1964 erlaubt diese Selbstbedienung des Staates bei Einwanderern und Kiwis, die nach jahrelanger Arbeit im Ausland in die Heimat zurückkehren. Direktabzug (Direct Deduction Policy/DDP) ist das Zauberwort.
 
Aber es geht noch schlimmer: dann nämlich, wenn Sie mit einem Partner zusammenleben oder verheiratet sind, der sein Leben lang in Neuseeland gearbeitet hat. Dann greift der Paragraph mit der Abkürzung SP (Spousal Provision = Ehegattenversorgung). Aus einem individuellen Rentenempfänger wie jeder normale Neuseeländer werden Sie nicht zu einem halben Ehepaar, sondern zu einer gemeinsam abzuzockenden Familieneinheit. Plötzlich zählt Ihr Gesamteinkommen. Das führt im Extremfall dazu, dass Ihr Partner keinen Cent NZ Super bekommt und Sie beide von Ihrer deutschen Teilrente aus grauer Vorzeit leben müssen.
 
Fairness bedeutet: Politik nach Kassenlage
 
Das Einzige, was der neuseeländische Staat nicht tun kann, ist, Ihnen den Überschuss wegzunehmen, falls Sie von der Deutschen Rentenversicherung mehr bekommen als zwei NZ Supers. Oder eben mehr als eine NZ Super, wenn Sie allein leben. Oder mit einem deutschen Partner, der ebenfalls deutsche Rente bekommt. Großzügig!
 
Die neuseeländische Regierung findet diese Regelung "fair gegenüber den meisten Neuseeländern", da ja nur eine Minderheit betroffen ist. Das sagt Ihnen der Premierminister ebenso wie die Opposition. Unter der 2008 abgelösten Labour-Regierung stand zumindest die Streichung der Ehegatten-Regelung auf dem Plan, allerdings auch nicht dringlich, sondern irgendwann, bei guter Kassenlage.
 
Zum Direktabzug Ihrer mit Beiträgen angehäuften ausländischen Rentenansprüche sagte Ihnen Labour wie auch jetzt die Nationalpartei: "Niemand darf besser dastehen als ein Neuseeländer." Und: "Niemand darf das neuseeländische Rentensystem ausbeuten und davon profitieren, wenn er keinen entsprechenden Beitrag zum Steueraufkommen und zur neuseeländischen Gesellschaft geleistet hat."
 
Keine Rente für Kiwis, die mit dem falschen Partner verheiratet sind
 
Wie bitte?! Wer beutet hier wen aus? Einwanderer und Kiwi-Rückkehrer verkommen zu Alteisen, das für zwanzig oder dreißig Jahre Arbeit in Neuseeland keinen Anspruch auf Rente hat. Und was ist mit dem einheimischen Partner, der fünfundvierzig Jahre Steuern bezahlt hat und nichts bekommt, weil er mit jemandem zusammen ist, der Rente aus dem Ausland bekommt? Dem erzählt WINZ: "Sie sind mit dem falschen Mann/der falschen Frau verheiratet."
 
Solche Menschen erzählen ihre Geschichten auf unserer Website, von ihren schlaflosen Nächten, ihrer Existenzangst, dem Gefühl, nichts wert zu sein, dem Stress, unter dem ihre Beziehungen stehen. Einige von ihnen haben den Kampf gegen Ungerechtigkeit, Diskriminierung und Scheinheiligkeit im vermeintlichen Paradies aufgenommen.
 
Wir schließen uns an, weil die Medien in Neuseeland das Thema, so gut es geht, unter den Teppich kehren, die Einwanderungsbehörden es verschweigen und selbst so manchem Rentenberater der Durchblick fehlt. Auch wir - längst noch nicht im Rentenalter - haben nur durch Zufall von Artikel 70 und seinen Folgen erfahren. Umso wichtiger ist es nun, die heutigen Rentner zu unterstützen, denn nur wenn sie mit ihrem Protest erfolgreich sind, dürfen wir auf bessere Zeiten hoffen.


 
38 Millionen Schafe und 4,3 Millionen Menschen leben in Neuseeland. Vom Direktabzug sind mehr als 52.000 Rentner betroffen.
 
 

 
 
Warum diese Website?
 
1. Aufklärung
Info-Broschüren über die Einwanderung nach Neuseeland und die Behörden verschweigen
Artikel 70 des Gesetzes zur sozialen Sicherung, nach dem ausländische
Renten mehr oder weniger beschlagnahmt werden.
 
Auch viele Neuseeländer sind von diesem Artikel 70 betroffen. Sie erfahren jedoch erst davon, wenn sie mit fünfundsechzig ihren Rentenantrag stellen.
 
2. Mobilmachung
Ziel dieser Website ist, die Wahrheit über diesen Artikel 70 zu verbreiten und internationalen Druck auf Neuseelands Regierung auszuüben, um dieses Gesetz zu ändern.
 
3. Gerechtigkeit
Ein Teil des Artikels 70 (Ehegattenabzug) verstößt gegen die Menschenrechte. Kein Mensch darf diskriminiert werden, weil er mit dem falschen Partner verheiratet ist.
 
 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Drei Viertel der DRV-Renten landen komplett in der Kasse der neuseeländischen Regierung 
 
Laut Auskunft der Deutschen Rentenversicherung (DRV) von Juni 2010 überweist sie 802 Renten an Empfänger in Neuseeland. (Nicht alle sind deutsche Staatsbürger, eine weitere Aufschlüsselung war jedoch nicht möglich.)
In der Statistik des Ministry of Social Development (MSD) von Ende Juni 2008 tauchen nur 200 deutsche Rentenempfänger auf.
Wie kommt es zu dieser Diskrepanz?
 
Die MSD-Statistik erfasst nur DRV-Rentenempfänger, die gleichzeitig NZ Super bekommen, d.h. den Anteil von NZ Super, der nach dem Abzug der DRV-Rente übrig bleibt. Selbst wenn man berücksichtigt, dass diese Zahl mittlerweile über 200 liegt, bekommen also drei Viertel der deutschen Rentenempfänger keinen Cent NZ Super. Mitte 2008 waren 53 davon auch noch vom Ehegattenabzug betroffen.  
 
 

 
Weitere Informationen:
Merkblatt der Deutschen Botschaft in Wellington hier.